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Von der Uni in den Job

Von Martin Prinz @fuasmattn auf Twitter
25. Juni 2018

Mein Berufseinstieg als Software Engineer

Im November 2017 habe ich mein Studium der Medieninformatik / Human-Computer-Interaction abgeschlossen. Trotz vieler Vorurteile bin ich jetzt weder Fachprogrammierer noch Rundfunktechniker. Ich habe ein Medieninformatik-Studium absolviert und dabei den Schwerpunkt HCI gewählt. Weitere Möglichkeiten waren Medienwirtschaft, Kommunikationswissenschaften und Mediengestaltung. Damit decke ich Informatik ab und habe über die Tellerränder geschaut: Ich verstehe mich als interdisziplinärer Informatiker, der auch die frühen Phasen eines Projektes ernst nimmt, Usability-Grundsätze kennt, "User-centered" arbeitet und in einem Projekt interdisziplinär unterwegs ist.

Seit Februar 2018 arbeite ich in einem breit aufgestellten Team bei MaibornWolff – und habe bereits viel gelernt. Und gleich vorne weg: Wenn ich mich in diesem Artikel kritisch über manche Dinge im Studium äußere, heißt das nicht, dass es schlecht war. Vielmehr könnten die Gedanken als Basis dienen, die ersten Monate im Beruf und bisherige Lernerfolge im Berufsstart bei MaibornWolff in Vergleich zu setzen.

Das bedeutet auch: Die folgenden Aussagen sind meine persönliche, ehrliche und kritische Retrospektive des Studienablaufs durch die Brille der Praxiserfahrung. Sie müssen nicht für andere Studiengänge und Studierende gelten.

Praxis in der Uni…

Während des Studium konnte ich schon einige Programmiererfahrungen sammeln. Dabei ging es oft um das „learn to learn“ – also zu lernen, wie ich mir etwas aneigne. Die Vorlesungen deckten dabei, wie zu erwarten, oft die Theorie ab: Dank ihnen habe ich ein theoretisches Verständnis aufgebaut, das mir enorm beim Verstehen neuer Technologien und Zusammenhänge hilft.

Daneben gab es praxisnahe Seminare und Übungsaufgaben, in denen ich Programmiersprachen und Frameworks praktisch erlernt habe. Die Motivation für diese Übungen war oft gering, da meistens nicht genug Zeit für sie blieb. Manche wichtige Methoden wie Pair Programming oder Tools, zum Beispiel Git, waren oft nur aus der Theorie bekannt. Wir konnten sie natürlich freiwillig in Gruppenarbeiten oder Übungen ausprobieren. Wirklich vorgesehen war es aber nicht, und der Mehraufwand war es uns dann meistens nicht wert. Studenten sind ja faul ;-) - zumindest soweit es der volle Stundenplan zulässt. Daher bin ich meistens den Weg des geringsten Widerstands gegangen, und habe einfach die Übung fertig gemacht.

Wenn wir Methoden wie Pair Programming ausprobiert haben, haben wir sie eher unstrukturiert und wenig zielführend verwendet. Die Organisation im Team für eine Gruppenarbeit hing von der Gruppenzusammensetzung und der Wissensverteilung ab. Aufgaben wurden oft nach Vorwissen verteilt – und meistens so, dass der geringste Aufwand entsteht. Das Arbeiten war in der Regel sehr ergebnisorientiert: Hauptsache, das Stück Code funktioniert und wird bis zur Deadline irgendwie fertig.

Wenn Praktika zur Theorie kamen...

Etwas anders sah es bei komplexeren Themen wie Konzeption aus: Sie wurde mehrfach in Vorlesungen und Seminaren behandelt und in Praktika in die Praxis umgesetzt. In Veranstaltungen mit Programmierschwerpunkt fehlte diese Phase der Entwicklung dann aber doch zu großen Teilen, meistens aus Zeit-Gründen. Es wäre also cool gewesen, das Ganze kombiniert anzuwenden und die Vorteile zu erleben.

Aufgaben, die einem Projekt im Berufsleben mit Analyse, Konzeption, Umsetzung, Testing, Kundenkontakt und so weiter entsprechen würden, waren oft nur freiwillig möglich – und dafür fehlten mitunter Zeit und Motivation. Die Projekte, die es explizit als Praktika gab, übrigens auch mal mit Industriepartnern, waren deutlich spannender.

Kurz: In meinem Studium ging es oft um die zu erreichenden Punkte, und selten um die Weitsicht, ob sich ein Projekt weiterführen lässt. Für freiwillige, praxisnahe Kurse fehlte es mir oft an Zeit und Motivation, während Pflichtkurse Wissensaneignung fördern.

Das wiederum kommt mir jetzt zugute: Ich habe theoretisches und fachliches Grundwissen, das wichtige Grundpfeiler fürs Weiterlernen setzt. Praxiserfahrung war in der Uni meistens sekundär, echte Programmiererfahrung habe ich in Hobby-Projekten, in den Abschlussarbeiten oder als Werkstudent gesammelt.

… und jetzt lernen on-the-job

„Davon habe ich schon mal gehört…“ – aber noch nix damit gemacht, geht der Satz weiter. Diese Aussage ist für mich ein guter Einstieg, um neue Technologien, Methoden oder Sprachen zu lernen und anzuwenden. Die Uni hat hier viel Vorarbeit geleistet: Ich habe ein Fundament, mit dem ich jetzt schnell einen Bezug zu einem neuen Thema finde.

Meine Motivation ist dabei deutlich höher als in der Uni: Ich bekomme direkt Feedback, kann jederzeit jemanden um Rat und Hilfe bitten, und mein Arbeitserfolg wird gelobt. Ich finde es zudem hilfreich, eine neue Technologie – in meinem Fall React – für mein konkretes Projekt zu erlernen. Außerdem profitiere ich enorm von der Erfahrung meiner Kolleginnen und Kollegen: Im Pair Programming und durch Code Reviews bekomme ich eine Menge Tipps und kontextbezogenes Wissen, ich verbessere die Qualität meines Codes – und das motiviert mich sehr!

Im Gegensatz zur Uni habe ich für mich schnell den Anspruch entwickelt, dass mein Code nicht nur funktioniert. Mein Anliegen ist Code, der möglichst sauber ist und neuen Standards und Best Practices folgt. Hier lerne ich auch passiv durch Vorbilder und den Code meiner Kolleg*innen.

Mein Studium hat mich also nicht zum perfekten Programmierer gemacht. Es ermöglicht mir aber, mich in verschiedenste Technologien einzuarbeiten. Das wertschätze ich jetzt im Job viel mehr als noch während des Studiums.

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