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360-Grad-Video: Von der Idee zur Bauanleitung

Von Stefan Kassal @StefanKassal auf Twitter
12. Oktober 2016

Schauen Sie sich einfach mal um... 

Was ich bei meinem ersten 360-Grad-Video gelernt habe

Ich stehe in einem Dorf und werde angegriffen: von der einen Seite stürmen Riesen auf mich ein, von der anderen starten Drachen ihren Überflug, und neben mir schießt ein Magier Feuerbälle auf die Feinde. Die Szene ist kein Traum, keine Erfahrung beim Live-Rollen-Spiel sondern beschreibt das erste 360-Grad-Video, das ich gesehen habe: das Promotion-Video zu Clash of Clans (hier zum Video auf Youtube). Ich war total fasziniert und habe mir das Video ein paar Mal angeschaut. Je nach Blickrichtung gab es ja immer wieder was Neues zu entdecken. 

Der Video-Trailer zum Spiel ist Computer-generiert. Schnell habe ich Videos gefunden, die mit Rund-um-Kameras in der echten Welt gefilmt wurden. Das fand ich noch cooler: Jemand filmt an einer beliebigen Stelle der Welt in 360 Grad, und ich kann mich dort umsehen mit dem Gefühl, direkt dort zu sein. Ich entdecke die Orte und Szenen - das Gefühl habe ich viel mehr als bei einem regulären Video. Je länger ich mich mit 360-Videos beschäftigte, desto mehr Ideen kamen mir: Ich kann mir vor der Buchung den Wellness-Bereich im Hotel anschauen, der Strand meines nächsten Urlaubsziels oder die Produktionsstraße eines Autoherstellers.

360-Grad-Videos zum Selbermachen

Mit ein wenig Recherche habe ich festgestellt, dass ein 360-Grad-Video im Prinzip ganz einfach zu machen ist:

  • Statt einer Kamera brauche ich 6 GoPros, die auf einem Würfel angeordnet sind. Damit decken sie alles um sich herum ab.
  • Die einzelnen Videos füge ich mit einer speziellen Software zusammen. Das Video deckt 360 Grad ab, sieht aber auf einem normalen Monitor stark verzerrt aus.
  • Es gibt einige Player, die damit umgehen können und das Video richtig anzeigen, Youtube oder Facebook zum Beispiel. Der Zuschauer kann seinen Blickwinkel ändern.

Soweit die Theorie. Ich habe Ausrüstung und Software besorgt und damit experimentiert. In den Tutorials sah es alles einfach und vor allem automatisch aus. Meine ersten Ergebnisse fand ich erst mal ernüchternd: Die Videos der einzelne Kameras waren nicht nahtlos zusammengefügt, es kam zu seltsamen Artefakten. Manchmal waren sie auch nicht zu einhundert Prozent synchron und es gab viele Geisterbilder im Video. "Wenn andere es hinkriegen, mit dieser Ausrüstung tolle Videos zu machen, werde ich es wohl auch schaffen", dachte ich mir und suchte nach einem neuen Ansatzpunkt.

Unser Büro in 360 Grad

Ich erzählte einigen Kollegen von meinem Filmprojekt, sie waren begeistert und wollten auch mit der Technologie experimentieren. So entstand eine Idee: Wir filmen unser Münchner Büro in 360 Grad. Und zeigen den Film mit der Oculus Rift Studierenden auf der Karrieremesse. Damit hatten wir einen perfekten Use Case: Unser Talent-Acquisition-Team bekommt einen hervorragenden Hingucker für den Messestand und Interessenten können sich das Büro anschauen, in dem sie vielleicht einmal arbeiten.

Aus den ersten Dreh-Versuchen wusste ich, wie wir unschöne Effekte durch Verzerrung an den Linsenrändern und Parallaxeneffekt vermeiden. Damit im Video keine Körperteile abgeschnitten werden, dürfen die Kollegen nicht zu nah an der Kamera vorbei gehen. Im Lauf des Drehs fanden wir heraus, dass ein Abstand zur Kamera von 1 bis 1,5 Metern perfekt ist. Darüber hinaus haben wir den Kollegen keine Vorgaben gemacht – der Film soll unser Büro ja möglichst authentischen zeigen.

Deswegen haben wir einfach losgelegt: Wir sind einfach in Büros oder Meetings gegangen und haben gefragt, ob es stört, wenn wir filmen. Hat es zum Glück niemanden. Die sechs GoPros lieferten uns am Ende des Filmtages mehr als 100GB Rohmaterial. Der größte Teil der Arbeit lag jetzt noch vor uns. Mehr dazu in Teil 2 des Blogs

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