Refactoring bringt Ordnung in Code-Chaos, verbessert die Codequalität und ermöglicht es Ihrem Team, effizient zu arbeiten, ohne auf unerwartete Probleme zu stoßen. Erfahren Sie in diesem Ratgeber alles über Code-Refactoring! Entdecken Sie, wie Sie aus einem chaotischen Lagerhaus ein perfekt organisiertes Warenhaus machen.
Das Wichtigste in Kürze
- Was ist Refactoring? Die Umstrukturierung bestehenden Codes zur Verbesserung der Verständlichkeit und Wartbarkeit, ohne dabei die grundlegende Funktionalität der Software zu verändern.
- Welche Vorteile bringt es? Refactoring sorgt für bessere Codequalität, erleichterte Wartung, höhere Testbarkeit, reduzierte Komplexität und eine effizientere Ressourcennutzung im Team.
- Welche Methoden gibt es? Gängige Techniken sind das Umbenennen von Variablen, das Extrahieren von Methoden, Einbetten, das Auslagern von Werten in lokale Variablen sowie das Hinzufügen von Parametern.
- Wo liegen die Herausforderungen? Technisch muss die Funktionalität durch umfangreiche Tests gesichert werden (Gefahr von Merge-Konflikten). Menschlich erfordert es Vertrauen der Stakeholder sowie Zeit und Erfahrung im Entwicklerteam.
- Welches Tool unterstützt dabei? Für die Visualisierung und Analyse von Code-Strukturen eignet sich beispielsweise CodeCharta (ein Tool von MaibornWolff).
Was ist Refactoring?
Beim Refactoring von Code wird der existierende Code mit vielen kleinen Schritten, sogenannten Refactorings, umstrukturiert, ohne dabei seine grundlegende Funktionalität zu verändern. Ziel ist es, die Verständlichkeit des Codes zu erhöhen und somit eine langfristig ressourcenschonende Weiterentwicklung zu ermöglichen.
In der Praxis bedeutet das, dass der Code aufgeräumt und die Softwarequalität verbessert wird, ohne dass die Nutzer des Systems irgendwelche Änderungen an der Funktionalität bemerken. Dies umfasst beispielsweise:
- das Umbenennen von Variablen,
- das Einführen neuer Abstraktionen,
- die Verringerung der Verschachtelungstiefe und
- das Entfernen ungenutzter Codestellen.
Ziel ist es, die technische sowie Domänensprache so klar wie möglich zu modellieren, damit Teams immer handlungsfähig bleiben und neue Funktionen einbauen können.
Wann brauche ich eine Refaktorierung?
Code, der über einen längeren Zeitraum nicht gepflegt wird, kann zunehmend chaotisch werden. In diesem Fall lässt die Codequalität stark nach, das Verständnis schwindet und die Komplexität steigt.
Spätestens zu diesem Zeitpunkt häufen sich die Beschwerden über den sogenannten „Spaghetti-Code“. Und das aus gutem Grund! Denn dieser verursacht einen erheblichen Anstieg des Implementierungsaufwands, erschwert die Fehlerbehebung und verhindert ein effizientes Arbeiten.
Kurz gesagt: Es kommt zu einer zunehmenden Handlungsunfähigkeit.
Falls Sie auf Probleme wie unzureichende Sicherheitsstandards, eingeschränkte Skalierbarkeit oder fehlende Integration mit neuen Technologien stoßen, ist eine einfache Refaktorierung nicht ausreichend. In diesem Fall ist eine Software-Modernisierung notwendig, da veraltete Software die Effizienz Ihres Unternehmens erheblich beeinträchtigen kann.
Vorteile und Ziele des Refactorings
Ob bei der Fehlerbehebung, der Implementierung neuer Funktionen oder während eines Reviews – Refactoring sollte in jeder Phase der Softwareentwicklung berücksichtigt werden. Denn es bringt eine Vielzahl von Vorteilen, welche die Software verbessern:
- Komplexitätsreduktion und Verständlichkeit: Die Komplexität des Codes wird reduziert, wodurch seine Verständlichkeit steigt. Dies erleichtert die Zusammenarbeit im Team und vereinfacht die Wartung.
- Testbarkeit: Eine klarere Struktur sorgt für eine bessere Testbarkeit und hilft, Fehler frühzeitig zu erkennen.
- Fehlerbehebung: Bugs können schneller gefunden und behoben werden, da der Code übersichtlicher ist.
- Ressourcenschonung: Eine optimierte Codebasis senkt den Ressourcenverbrauch und erhöht die Effizienz.
Und das Beste daran: Refactoring kann während der laufenden Entwicklung erfolgen, ohne den Entwicklungsprozess zu unterbrechen.
Methoden des Refactorings
- Umbenennen: Variablen, Methoden oder Klassen umbenennen, um sie aussagekräftiger und verständlicher zu machen.
- Einbetten: Kompakte und verständliche Codestellen direkt an die aufzurufende Stelle verschieben, anstatt sie in Methoden oder Variablen auszulagern.
- Methoden extrahieren: Komplexe und verwirrende Codestellen als separate Methoden auslagern und durch aussagekräftige Methodennamen beschreiben.
- In lokale Variablen auslagern: Statt Werte ohne Kontext im Code zu lassen, ist es sinnvoll, sie in beschreibenden Variablen zu speichern. Zum Beispiel sollte 3.14 als PI bezeichnet werden.
- Parameter hinzufügen: Wenn sich Daten innerhalb einer Methode häufig ändern, sollten sie als Parameter übergeben werden. Das erweitert die Parameterliste und reduziert die Notwendigkeit, die Methode anzupassen.
- In Feld auslagern: Wiederkehrende Werte in einer Klasse in ein gemeinsames Feld auslagern, um die Wartung zu vereinfachen.
Diese Methoden sollten je nach Bedarf und Projektanforderungen ausgewählt und angewendet werden.
Die Prinzipien des Clean Codes sind ein guter Ausgangspunkt, um sich auf bestimmte Regeln und Strukturen zu einigen.
Die Vorgehensweise beim Refactoring
Es gibt keine einheitliche Vorgehensweise, die für jedes Projekt geeignet ist. Jedes Projekt erfordert eine individuelle Festlegung der Maßnahmen: was, wie und in welchem Umfang umstrukturiert werden muss. Da es also keine Einheitslösung gibt, handelt es sich hier um einen groben Leitfaden.
Bei MaibornWolff legen wir jedoch großen Wert auf Transparenz und Wissenstransfer: Daher begleiten wir Sie von Anfang an auf dem Weg zu einer wartungsfreundlichen, ressourcenschonenden und zukunftssicheren Anwendung. Mit unserer jahrzehntelangen Erfahrung in der Software-Entwicklung und im Durchführen unserer Software Health Checks passen wir die folgende Vorgehensweise individuell an Ihre Bedürfnisse an – sei es für neue Anwendungen oder für alte, schwer wartbare Monolithen.
Schritt 1: Der Eintritt ins Projekt
Um sich einen Überblick über den bestehenden Code und die zugrunde liegenden Prozesse zu verschaffen, sollten zuerst die wichtigsten Metriken analysiert werden, etwa die:
- zyklomatische Komplexität,
- Verschachtelungstiefe,
- Testabdeckung,
- Dateigrößen sowie
- die Anzahl von Funktionen und Klassen.
Große und komplexe Dateien können ein erstes Anzeichen für einen schwer verständlichen und schwer veränderbaren Code sein.
Diese Analyse ermöglicht es, die Anwendungen isoliert zu betrachten und weitere Entscheidungen zu treffen. In diesem Schritt sollte außerdem geklärt werden, welche Qualitätssicherungsprozesse, wie etwa Code-Reviews, bereits existieren.
Mit CodeCharta können wir Probleme und Lösungen auf allen Ebenen klar kommunizieren.
Schritt 2: Priorisierung und Umsetzung
Basierend auf den Informationen des vorherigen Schrittes wird entschieden, welche Teile des Codes vorrangig oder im Zuge der täglichen Arbeit umstrukturiert werden sollen. Transparenz ist hierbei entscheidend: Wichtig ist nicht, wie der Code zu seiner aktuellen Form gelangt ist, sondern, wie die bestehenden Probleme gelöst werden können.
Schritt 3: Integration in den Entwicklungsprozess
Nach der Priorisierung folgt die Integration. Dabei gilt es zu beachten, dass Refactoring am effektivsten ist, wenn es in die tägliche Entwicklungsarbeit integriert wird. Das umfasst:
- die Implementierung,
- die Fehlerbehebung und
- das Testen.
Allerdings hat jede Regel ihre Ausnahmen: So müssen besonders unverständliche oder komplexe Codestellen isoliert und separat umstrukturiert werden. Welche Stellen das betrifft, wurde bereits in der Priorisierung festgehalten.
Schritt 4: Funktionalität erhalten
Eine große Herausforderung beim Software-Refactoring besteht darin, die bestehende Funktionalität des Codes nicht zu verändern. Um dies zu erreichen, benötigt man eine gute Testabdeckung, um die Funktionalität vor und nach dem Refactoring zu überprüfen. Dieser Prozess kann als zusätzlicher Aufwand wahrgenommen werden, eigentlich ist er aber nur ein erheblicher Teil der Qualitätssicherung im Code-Refactoring.
Schritt 5: Dedizierte Refactoring-Projekte
Nach der Festlegung des Umfangs werden alle betroffenen Codestellen systematisch statt inkrementell, also schrittweise, überarbeitet. Erst, wenn diese isolierten Codestellen erfolgreich umstrukturiert wurden, wird der restliche Code in Angriff genommen.
Refactoring – die Herausforderungen
Refactoring steigert die Code-Qualität und Wartbarkeit, ist jedoch mit spezifischen Hürden verbunden. Die Entscheidung für ein Refactoring erfordert eine Abwägung zwischen kurzfristiger Entwicklungsgeschwindigkeit und langfristiger Stabilität.
Die häufigsten Herausforderungen in der Praxis sind:
- Erhaltung der Funktionalität: Die größte technische Schwierigkeit besteht darin, die interne Struktur massiv zu ändern, ohne das externe Verhalten der Software zu beeinflussen.
- Testaufwand: Um Regressionsfehler auszuschließen, ist eine umfassende Testabdeckung zwingend erforderlich. Oft müssen Tests erst geschrieben werden, bevor das eigentliche Refactoring beginnen kann.
- Merge-Konflikte: Bei umfangreichen Umstrukturierungen in separaten Branches steigt das Risiko komplexer Konflikte beim Zusammenführen (Mergen) des Codes, was die Reintegration verzögert.
- Verzögerte Sichtbarkeit: Der Nutzen von Refactoring (z. B. schnellere Wartung) zeigt sich oft erst zeitversetzt. Dies erschwert die Akzeptanz bei Stakeholdern, da keine direkten funktionalen Änderungen sichtbar sind.
- Ressourcenbindung: Erfolgreiches Refactoring erfordert erfahrene Entwickler, die Abhängigkeiten im Code erkennen. Diese Ressourcen fehlen oft im operativen Tagesgeschäft für neue Features.
FAQs zum Refactoring
Was ist Refactoring?
Refactoring ist das Umstrukturieren von existierendem Code, um dessen Verständlichkeit und Wartbarkeit zu verbessern, ohne die Funktionalität zu ändern. Es hilft, die Codequalität zu steigern und langfristig effizientere Softwareentwicklung zu ermöglichen.
Was ist CodeCharta und wie hilft es beim Refactoring?
CodeCharta ist ein Tool zur Visualisierung von Code, das von MaibornWolff entwickelt wurde. Es hilft, strukturelle Probleme zu erkennen und zu kommunizieren. Zudem unterstützt es Entwickler und Stakeholder dabei, den Zustand und die Fortschritte im Refactoring-Prozess besser zu verstehen.
Welche Herausforderungen gibt es beim Refactoring?
Technische Herausforderungen umfassen das Beibehalten der Funktionalität und die Notwendigkeit von Tests. Menschliche Herausforderungen sind u. a. das Gewinnen von Vertrauen und die Akzeptanz der Notwendigkeit durch Stakeholder. Beide Ebenen erfordern erfahrene Entwickler und klare Kommunikation.Was ist der Zweck des Code-Refactorings?
Das Ziel des Code-Refactorings ist es, die interne Struktur des bestehenden Codes zu verbessern, ohne das äußere Verhalten zu verändern. Dies erhöht die Codequalität, Lesbarkeit und Wartbarkeit.
Richard Gross ist Head of Software Archaeology und arbeitet seit 2013 im Bereich der IT-Modernisierung. Als Mitglied der Bereichsleitung treibt er Themen wie technische Exzellenz voran. Als Teamleiter und Architekt unterstützt er Teams dabei, so früh und kontinuierlich wie möglich einen Return on Investment zu erzielen. Um dies zu erreichen, coacht er Teams in den Bereichen Codequalität, Testautomatisierung und Collective Ownership. Sein technischer Fokus liegt auf hexagonalen Architekturen, TestDSLs, Hypermedia-APIs und der ausdrucksstarken und eindeutigen Modellierung der Domäne als Code. Richard teilt sein Wissen durch aktives Pair Programming sowie durch Schulungen, Fachartikel und Präsentationen auf internationalen Konferenzen. Er engagiert sich seit langem auch in dem Open-Source-Projekt CodeCharta, das es Nicht-Entwicklern ermöglicht, ein Verständnis für die Qualität ihrer Software zu gewinnen.