Ein Mann sitzt in einem kleinen Holzboot und rudert durch einen Tunnel aus schwebenden Papierseiten auf ruhigem Wasser einem hellen Licht entgegen.

Prozessautomatisierung im Unternehmen: Vom Zeitfresser zum Selbstläufer

Geschätzte Lesezeit: 7 Minuten

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Autor:in: Vadim Naumchik
Autor:in: Vadim Naumchik

Prozessautomatisierung bietet Unternehmen große Chancen: Abläufe werden schneller, stabiler und besser steuerbar. Entscheidend ist dabei weniger die eingesetzte Technologie als die richtige Auswahl der Prozesse. Denn dort, wo Volumen, Wiederholbarkeit und klare Entscheidungslogiken zusammenkommen, entfaltet Automatisierung ihren größten Nutzen. Wer Prozesse gezielt auswählt und Automatisierung von Anfang an mitdenkt, schafft Lösungen, die im Alltag funktionieren, mitwachsen können und langfristig Wirkung zeigen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Was bedeutet Prozessautomatisierung? Der Begriff bezeichnet die gezielte Automatisierung wiederkehrender, regelbasierter Abläufe, um Unternehmensprozesse effizienter, stabiler und besser steuerbar zu machen.

  • Warum ist Prozessautomatisierung wichtig? Sie hilft Unternehmen, Komplexität zu reduzieren, manuelle Aufwände zu senken und Prozesse zuverlässig zu betreiben.

    Welche Prozesse eignen sich für Automatisierung? Prozesse mit hohem Volumen, klaren Regeln und stabilen Abläufen, primär dort, wo Fehleranfälligkeit oder manueller Aufwand hoch sind.

  • Wie gelingt der Einstieg? Über klar abgegrenzte Pilotprojekte oder Proofs of Concept, die Nutzen und Machbarkeit prüfen, bevor skaliert wird.

  • Was sind typische Herausforderungen? Gewachsene Systemlandschaften, Datenqualität und organisatorische Themen wie Governance, Compliance und Change Management.

Was bedeutet Prozessautomatisierung?

Technisch gesehen bezeichnet Prozessautomatisierung – oder auch Business Process Automation (BPA) – die automatisierte Steuerung von Geschäftsprozessen durch Software – vom einfachen Datenabgleich bis zur komplexen Entscheidung. Praktisch gesehen bedeutet es vordergründig eines: Freiheit von Monotonie. Ihre Mitarbeitenden werden von repetitiven „Roboter-Aufgaben“ entlastet und können sich wieder wertschöpfenden Themen widmen.

Doch Vorsicht vor dem „Shiny Object Syndrome“: Viele Unternehmen machen den Fehler, sich erst in eine Technologie zu verlieben und dann krampfhaft nach Anwendungsfällen zu suchen. Wir raten zum umgekehrten Weg. Trennen Sie gedanklich strikt zwischen der Domäne (dem fachlichen Problem, das Sie lösen wollen) und dem Werkzeug (der Software, die Sie dafür nutzen). Erfolgreiche Automatisierung startet immer beim Prozess, nie beim Tool.

Digitalisierung, Optimierung, Automatisierung: Bitte nicht würfeln

Diese drei Begriffe landen oft im selben Buzzword-Topf, dabei ist die Unterscheidung entscheidend für Ihren Erfolg. Werfen wir einen ehrlichen Blick darauf:

  • Digitalisierung ist die Basis: Sie macht aus analogen Informationen verarbeitbare Daten. Aber Vorsicht: Wer einen schlechten analogen Prozess 1:1 digitalisiert, hat am Ende nur digitalen Müll.

  • Optimierung ist die Pflicht: Bevor wir Technik implementieren, räumen wir auf. Wir vereinfachen Abläufe und werfen Ballast ab. Nur ein stabiler Prozess ist es wert, skaliert zu werden.

  • Automatisierung ist der Turbo: Sie darf erst zünden, wenn die Strecke steht. Instabile Prozesse vorschnell zu automatisieren, schafft keine Entlastung, sondern teure, wartungsintensive "Insel-Lösungen".

Team arbeitet gemeinsam am Laptop im Freien.
Automatisierung gezielt angehen

Sie möchten wissen, wie sich Ihre Prozesse pragmatisch automatisieren lassen? Wir klären gemeinsam, wo sie sinnvoll ist und echten Mehrwert schafft.

Automatisieren – aber bitte mit Plan!

Automatisierung ist ein Werkzeug: Sie lohnt sich dort, wo sie Komplexität reduziert und Ihr Team im Alltag spürbar entlastet. 

Wo Automatisierung besonders sinnvoll ist

Nicht jeder Prozess benötigt einen digitalen Turbo. Wer wahllos automatisiert, verbrennt Geld. Aus der Praxis hat sich eine Faustformel bewährt: Automatisierung wird dort zum Gamechanger, wo Aufgaben häufig wiederkehren, klaren Regeln folgen und ein hohes Volumen haben.
Wenn Sie Prozesse identifizieren, die wertvolle Fachkräfte mit monotoner „Daten-Schubserei" blockieren, haben Sie den idealen Kandidaten gefunden. Besonders in den folgenden Bereichen sehen wir aktuell den größten Hebel für Effizienz und Qualität:

Finance: Compliance statt Bauchgefühl

Hier geht es weniger um Geschwindigkeit, sondern um absolute Präzision und Regelkonformität.

  • Der Anwendungsfall: Automatisierung ist hier oft der einzige Weg, um komplexe Regularien wie MiFID II, PSD2 oder AML/KYC (Geldwäsche-Prävention) sicher einzuhalten.
  • Der Nutzen: Systeme übernehmen die Kontenabstimmung oder das Claims-Management revisionssicher und DSGVO-konform. Das schafft Ruhe vor dem nächsten Audit.
Produktion: Wenn IT und OT verschmelzen
Logistik: Die Jagd nach Echtzeit
Customer Service & Retail: Skalierung auf Knopfdruck

Wo Zurückhaltung sinnvoll ist

Nicht jeder Prozess sollte automatisiert werden. Weniger geeignet sind Abläufe, bei denen:

  • Ausnahmen den Alltag bestimmen: Der Prozess ändert sich häufig oder ist kaum vorhersehbar.

  • menschliches Urteilsvermögen entscheidend ist: Etwa bei komplexen Einzelfallentscheidungen oder Verhandlungen.

  • der Aufwand höher ist als der Nutzen: Wenn Implementierung und Betrieb mehr kosten als sie einsparen.

Hier ist oft Vereinfachung oder bessere Strukturierung der sinnvollere erste Schritt.

Lohnt sich das? Die Rechnung hinter der Automatisierung

Die kurze Antwort ist: Ja. Die ehrliche Antwort: Nur, wenn Sie keine Milchmädchenrechnung aufmachen. Wahre Wirtschaftlichkeit entsteht nicht durch das bloße Einsparen von Arbeitsminuten, sondern aus der Balance zwischen harten Ersparnissen und technischer Stabilität.

Der pragmatische ROI-Check (harte Zahlen)

Verlassen Sie sich nicht aufs Bauchgefühl. Ob ein Prozess reif für die Automatisierung ist, lässt sich an konkreten Kennzahlen (KPIs) messen. In der Praxis haben sich diese Metriken bewährt, um den Erfolg schwarz auf weiß zu belegen:

  • Kosten pro Transaktion: Was kostet die manuelle Bearbeitung vs. die automatisierte (inklusive Lizenzkosten)?

  • Fehlerrate & Nacharbeit: Wie oft muss ein Mensch korrigieren? Diese versteckten Kosten fallen bei guter Automatisierung weg. Durchlaufzeit: Wie viel schneller wird das Ergebnis geliefert?

  • Transformationsrate: Wie viel Prozent der Fälle laufen komplett dunkel (ohne menschliches Zutun) durch?

Unser Tipp: Starten Sie mit einem klar abgegrenzten Piloten. Das liefert belastbare Zahlen für die Hochrechnung, ohne sofort riesige Investitionen auszulösen.

Reifegrad: Die Falle der Brittle Automation

Ein oft übersehener Kostenfaktor ist die Wartung. Viele Unternehmen bauen schnelle Bastellösungen, die zwar heute funktionieren, aber morgen beim kleinsten Software-Update zusammenbrechen (sogenannte Brittle Automation).

Wenn Sie jede Woche einen Entwickler brauchen, um den Bot zu reparieren, beeinträchtigt das Ihren ROI. Achten Sie daher auf Kennzahlen wie MTTF (Mean Time To Failure) – also: Wie lange läuft alles stabil? Eine robuste Architektur kostet initial etwas mehr, spart aber langfristig teure Feuerwehreinsätze.

Welche Technologien eignen sich für welche Prozesse?

Die Wahl der passenden Technologie hängt vom Prozess und seinem Reifegrad ab. Die folgende Übersicht ordnet die wichtigsten Ansätze ein, kompakt und praxisnah.

TechnologieGeeignet fürWofür sie besonders gut istTypischer Einsatz
RPARegelbasierte Aufgaben ohne APIsSchneller Einstieg, keine SystemänderungDatenübertragungen zwischen Legacy-Systemen
BPMEnd-to-End-Prozesse über mehrere SystemeSteuerung, Transparenz, ComplianceGenehmigungsprozesse, Order-to-Cash
Low-CodeEinfache, individuelle FachanwendungenSchnelle Umsetzung, hohe FlexibilitätPrototypen, interne Tools
KIUnstrukturierte Daten, variable EntscheidungenMustererkennung, EntscheidungsunterstützungDokumentenverarbeitung, Klassifikation

Wie gelingt der Einstieg? Vom Proof of Concept zur Skalierung

Erfolgreiche Prozessautomatisierung beginnt klein und skaliert gezielt. Ein Proof of Concept (PoC) testet Machbarkeit und Nutzen. Pilotprojekte sammeln Erfahrungen. Erst dann folgt der unternehmensweite Rollout: agil, iterativ und mit klarem Risikomanagement.

Eine Grafik zur Prozessoptimierung in sechs Schritten

Ausblick: Wohin die Reise geht (vernetzter, intelligenter, pragmatischer)

Die Zeit der isolierten Insel-Automatisierung ist vorbei. In Zukunft werden wir Prozessketten nicht mehr als starre Abfolge sehen, sondern als dynamische Systeme. Der größte Trend ist dabei die Datenprozessualisierung: Es geht nicht mehr nur um das Tool, sondern darum, dass Daten frei fließen können – über Applikationsgrenzen hinweg.

Der Prozess als Software

Ein spannender Paradigmenwechsel für Entscheider: Betrachten Sie Ihre Geschäftsprozesse künftig wie eine Software-Entwicklung.

  • Testbarkeit: Ein Prozess muss messbar sein (KPIs, ROIs), bevor er live geht.

  • Modularität: Jeder Prozessschritt verfügt über APIs, um flexibel angedockt zu werden.

  • Agilität: Statt starrer Abläufe entstehen anpassungsfähige Workflows, die zentral in der Cloud orchestriert werden.

Cloud-native als Standard, nicht als Option

Warum Cloud? Weil sie die nötige Flexibilität für diese Vernetzung liefert. Im Vergleich zu klassischen On-Premise-Ansätzen lassen sich Cloud-native Automatisierungen einfacher skalieren und über Standorte hinweg ausrollen. Sie bilden das Rückgrat für Hyperautomation – also den koordinierten Einsatz von RPA, KI und Analytics entlang einer gesamten Wertschöpfungskette.

KI-Agenten: Viel Potenzial, aber Füße stillhalten

Autonome KI-Agenten (Agentic AI), die Aufgaben selbstständig planen und ausführen, zeigen im Kundenservice oder Support erste spannende Ergebnisse. Aber ein Wort zur Ehrlichkeit: Die Technologie steckt noch in den Kinderschuhen. Viele testen, wenige skalieren produktiv. Für Sie bedeutet das: Beobachten Sie den Trend, aber starten Sie pragmatisch. Nicht jede Automatisierung braucht KI – oft reicht eine stabile Regel-Logik völlig aus.

Vom Wissen zur Wirkung: Ihr Startschuss mit MaibornWolff

Theorie ist gut, funktionierende Prozesse sind besser. Unsere Erfahrung zeigt: Viele Automatisierungsprojekte scheitern nicht an der Technik, sondern an zu viel Komplexität. Deshalb gilt bei uns das Prinzip: So wenig Technik wie möglich, so viel wie nötig.

Wir starten nicht mit einer teuren Tool-Schlacht, sondern mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme. Wir helfen Ihnen, die echten Zeitfresser zu identifizieren und Lösungen zu bauen, die nicht nur auf dem Papier glänzen, sondern von Ihrem Team im Alltag gefeiert werden.

 

Zwei Personen sitzen im Gespräch an einem Tisch mit geöffnetem Laptop vor einem Fenster.
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Lassen Sie uns ganz unverbindlich über Ihre Pain Points sprechen – und wie wir sie pragmatisch lösen.

Häufige Fragen zur Prozessautomatisierung

  • Wie lange dauert es, bis Prozessautomatisierung messbaren Nutzen bringt?

    Erste Effekte zeigen sich häufig bereits nach wenigen Wochen, etwa durch reduzierte Bearbeitungszeiten oder weniger manuelle Eingriffe. Nachhaltiger Nutzen entsteht meist dann, wenn Automatisierung schrittweise ausgebaut und in den Regelbetrieb integriert wird.

  • Welche Rolle spielt die IT bei der Prozessautomatisierung?

    Die IT sorgt für Stabilität, Sicherheit und Integration. Gleichzeitig verlagert sich ihre Rolle zunehmend vom reinen Umsetzer hin zum Enabler: Sie stellt Plattformen, Standards und Leitplanken bereit, innerhalb derer Fachbereiche automatisieren können.

  • Welche Risiken gibt es bei Business Process Automation?

    Typische Risiken sind unklare Prozessdefinitionen, schlechte Datenqualität oder fehlende Akzeptanz bei Mitarbeitenden. Auch überkomplexe Lösungen können zum Problem werden, wenn Wartung und Betrieb unterschätzt werden. Diese lassen sich jedoch gut adressieren, wenn Prozesse vorab sauber strukturiert, Datenqualität früh berücksichtigt und Fachbereiche von Beginn an eingebunden werden.

Autor:in: Vadim Naumchik
Autor:in: Vadim Naumchik

Vadim gestaltet als Berater und Software-Designer die Lösungen der Delivery Unit „Pro-Code AI Solutions“ aktiv mit. Mit einem Background in Digital Design und Process Usability fokussiert er sich darauf, Geschäfts- und Produktionsprozesse messbar besser zu machen. In Kundenprojekten sorgt er dafür, dass neue Lösungen sich leicht, intuitiv und ohne Reibungsverluste in das bestehende Unternehmensökosystem einfügen.

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