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Eventhorizon - Blockchain in the energy market

Von Dirk Röder
16. Februar 2017

Die Veranstalter von Eventhorizon legen die Messlatte für künftige Blockchain-Veranstaltungen hinsichtlich der Örtlichkeiten ziemlich hoch: In der historischen Hofburg in Wien diskutieren wir die Auswirkungen der neuen Technologie auf den Energiesektor im barocken Rahmen. 

Am Morgen des Valentinstags startet das prall gefüllte Programm mit einer fast zweiminütigen Laser- und Videoshow und hebt erneut die Erwartungen an die vor uns liegenden beiden Tage. Die vorab durchgeführte Umfrage im Energiebereich unterstreicht diese Vorfreude. Immerhin trauen 21 Prozent der Technologie zu, den Bereich komplett auf den Kopf zu stellen. Die Branche ist zudem weit davon entfernt unvorbereitet zu sein, wenn 13 Prozent bereits Blockchain-Projekte implementiert haben und weitere 39 Prozent kurz davor stehen. Die identifizierten Anwendungsfälle teilen sich fast paritätisch auf interne Prozesse bzw. Arbeitsabläufe (55) und Plattformen (52) auf. Im Detail sollen Prozesse in Rechnungslegung, Automatisierung, Netzmanagement, Mobilität, Kommunikation, Vertrieb + Marketing, Verbrauchsmessung und Datenübermittelung mit Blockchain optimiert werden. Im Energiehandel zwischen allen Marktteilnehmern und der dezentrale Energiegewinnung finden sich die 52 Anwendungsfälle für Plattformprojekte wieder.

Eine Empfehlung lautet, bei der Auswahl geeigneter Anwendungsfälle den Fokus auf den Nutznießer der beabsichtigten Verbesserung oder Veränderung zu legen. Denn die Umsetzungswahrscheinlichkeit von (Blockchain-)Projekten steigt immens, wenn Probleme in Abteilungen mit hohen Kosten oder in Bereichen mit hohen Umsätzen gelöst werden sollen. Schließlich ist dort die Bereitschaft dank des großen ökonomischen Hebels tendenziell groß. VC-Firmen scheinen dies zu ahnen und halten sich derzeit im Blockchain-Bereich mit der Finanzierung von Start-ups zurück, denn es bedarf eines tiefen Verständnisses für interne Prozesse, um hier erfolgreich zu starten. Dies gilt übrigens nicht ausschließlich für die Energiebranche. Vielleicht ist dies auch ein Grund dafür, dass Konzerne bei Blockchain-Piloten den sonst so innovativen VCs voraus sind.

Idee? Machen!

Während der Konferenz wird deutlich, dass die Einschätzung der Industriegrößen bezüglich der Anwendungsfälle richtig liegen. Immer wieder werden unterschiedliche P2P-Ideen, Handelsplattformen oder Netzmanagement diskutiert oder präsentiert. Besonders offensichtlich wird es während der Start-up Präsentation. Saubere Energie soll transparenter, grenzenloser und billiger gehandelt werden. Hierfür gehen NRGcoin.com und solarcoin mit eigenen Tokens ins Rennen, die dann unter Umständen auf einer App wie Freeel gegen Energie gehandelt werden können. Die dezentrale Stromversorgung von Konsumenten für Konsumenten ist nicht erst seit GridSingularity bekannt. PR-trächtig hat LO3 Energy mit einer Straße in Brooklyn begonnen und sich nun auf mehrere Häuserblöcke ausgeweitet. Nahezu unbeachtet von der Öffentlichkeit konnte das australische Start-up Power Ledger einen Vertrag über 11.000 Smart Meter abschließen, um den Kunden zum Ver- und Käufer von Energie zu machen.

Die beiden Projekte M-PAYG und Bankymoon sorgen in Afrika mittels Bitcoin und Blockchain für Licht auf dem Kontinent, der nachts aus dem Weltall noch ganz dunkel scheint. Letztere forschen nun sogar an der Erweiterung des Projekts um Krankenhäuser und sogar Straßenlaternen. Für uns Europäer ein völlig unbekanntes Problem, doch in ärmlichen Gebieten der Welt ist der Einsatz von Ressourcen und Geld ein fortwährender Kampf in der jeweiligen Gemeinde. Bankymoon setzt hier auf die Bitcoin Blockchain auf und möchte die Straßenbeleuchtung individuell über Bitcoin bezahlen lassen.

Letztlich haben beide Projekte einen unschlagbaren Vorteil: Wenn ich Menschen helfen möchte, kann ich das direkt tun und förmlich sehen, wie mein Geld ankommt, statt es über Wohltätigkeitsorganisationen zu spenden, die einen Kostenapparat bezahlen.

Zurück zur Konferenz

Nach zwei Tagen Vorträgen über (De-)Regulierung und potentielle Auswirkungen der Blockchain auf die Energiebranche bleiben wie so oft die Ideen der Startups im Kopf. Wie üblich bewegt sich eine etablierte Branche nur sehr behäbig und die wirklich frischen Ideen entstehen bei Menschen, die ohne Denkverbote kreativ sind. Richtig ist aber auch, dass die großen Potentiale tief in den Unternehmen begraben sind. Hier gilt es, die Mitarbeiter aufzuklären, mitzunehmen und letztlich die Ideen entwickeln zu lassen. Also ganz im Sinne von MaibornWolff. 

Ich traf auf dem Weg zu Flughafen drei Mitarbeiter eines österreichischen Stadtwerkes, die mit der Blockchain-Technik auch nach den beiden Konferenztagen haderten. In 25 Minuten Zugfahrt konnte ich ein wenig Licht ins Dunkel bringen und die Sorgenfalten auf der Stirn wichen einem Lächeln. Meine Karte haben Sie.

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