Ruhe statt Stille auf Island

   Bei MaibornWolffBerufliche Auszeit

Seit vielen Jahren schon übt Island eine gleichbleibende Faszination auf uns aus. Die meisten erwarten karge nordische Landschaft. Wir fanden ein Farben- und Formenmeer. Schroffe Lavawüsten wechseln sich ab mit grünen Wiesen, satt leuchtet uns das Violett von Lupinen entgegen. In den Sommermonaten sind die Nächte hell und auch im Herbst bleiben wir lange wach, um die goldenen Sonnenuntergänge zu genießen. Glasklare Flüsse und Seen laden zu einem kurzen Bad ein, einem sehr kurzen. Denn die Vorfreude dauert sehr viel länger als der Aufenthalt im eiskalten Nass. Ausdauernder baden wir in den warmen Quellen. Sogar einen warmen Wasserfall finden wir während unserer viermonatigen Reise. 

 

 
Ich fahre mit meinem Freund Christian in einem Expeditionsmobil durch Island, das wir extra für diese Reise bauten. Island? Vier Monate? Was wollt Ihr denn so lange in Island? Irritation und ungläubige Blicke ernteten wir für unser Vorhaben. Wir suchen Ruhe, war unsere Antwort. Dass Ruhe nicht Stille bedeutet, wird jedem bewusst, der einen Fuß in Islands Natur setzt. Hunderte Seevögel, glucksende Bäche, tosende Flüsse, donnernde Wasserfälle, das Meer und der Wind erschaffen eine unglaubliche Geräuschkulisse. Schon morgens weckt uns das Blöken von Schafen. Gut, als Wecker nicht ganz zuverlässig, aber wen stört das, wenn keine Termine eingehalten werden müssen.
 
 
 

Wobei: Es dauert etwas, bis die Hektik des Alltags uns nicht mehr auf unserer Reise begleitet, bis sich die Auszeit nicht wie ein einfacher Urlaub anfühlt sondern eine beschauliche Gelassenheit Raum nimmt. Die Auszeit hatte gar nicht beschaulich begonnen: den ersten Monat verbrachten wir damit, unser Expeditionsmobil fertig zu stellen. 

Wie viele Nerven uns der knappe Zeitplan gekostet hat, warum der Fahrzeugbau und die Auszeit dennoch eine der wertvollsten Erfahrungen unseres bisherigen Lebens war, besprechen wir eines Nachts bei Lagerfeuer und Stockbrot an einem Strand. 

Weit und breit gibt es keine andere Lichtquelle. Kein Handyklingeln, kein Autohupen oder andere Zivilisationsgeräusche dringen an unser Ohr. Wir genießen den denkbar größten Luxus: Ruhe und Zeit im Überfluss. Wir sehen zum Himmel. Schau mal, Nordlichter.