Fachliches Domänenmodell

Sechs Tipps für Ihr fachliches Domänenmodell

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Eine leicht verständliche, gemeinsame Projektstruktur unterstützt Ihre Entscheidungen in den frühen Phasen. Ihr fachliches Domänenmodell strukturiert Ihre Geschäftsfähigkeiten – anders als ein Prozessbild ist die Beschreibung von Geschäftsfähigkeiten stabiler über die Zeit. Und es lässt sich auch in einer frühen Phase mit hinreichender Sicherheit bestimmen. In der Praxis haben sich aber einige Regeln für Ihr fachliches Domänenmodell als besonders hilfreich erwiesen.

1 | Pendeln Sie zwischen Details und Übersicht, um die Struktur festzulegen

Klassisch werden Domänen top-down modelliert – die Struktur wird auf oberster Ebene festgelegt und dann detailliert. Doch wie legen Sie eine stabile und tragfähige Struktur fest, wenn Umfang und Inhalt der Fachlichkeit noch nicht klar sind? Starten Sie mit einem Deep-Dive und sammeln Sie Informationen von niedriger Granularität, um einen Überblick über die Fachlichkeit zu bekommen. Tauchen Sie erst danach wieder auf, um eine erste Struktur auf oberster Ebene festzulegen. Für die weiteren Ebenen verfahren Sie genauso. Sie erstellen das Domänenmodell also in einer Pendelbewegung zwischen Abtauchen in die Details und Auftauchen zur Strukturierung. Ein konsequentes Timeboxing hilft Ihnen, sich nicht in Details zu verlieren.
 

Erstellen Sie ein Domänenmodell in Pendelbewegungen. Sozialisieren Sie nach jedem Abtauchen Ihre Entwürfe.

2 | Arbeiten Sie in einem kleinen Team, aber sozialisieren Sie früh

Domänenmodellierung lebt von der Diskussion. Gerade bei der Struktur gibt es meist kein völlig richtig oder völlig falsch, sondern ein schlechter oder besser. Die Einschätzung hängt von der Perspektive auf die Fachlichkeit ab. Erst in der Diskussion können Sie Perspektiven abgleichen und zu einem guten Schnitt kommen. Damit Ihr Domänenmodell seine Kraft entfaltet, muss es später von möglichst vielen mitgetragen werden. Je mehr Personen an dem Entstehungsprozess beteiligt sind, desto schwieriger wird Konsens. Modellieren Sie daher mit drei bis vier Mitarbeitern. Sozialisieren Sie Ihre Ergebnisse dann früh. Gehen Sie mit einem ersten Wurf der Grobstruktur nach dem Deep-Dive in den Friendly-User-Test. So erhalten Sie wertvolles Feedback, das Sie in der nächsten Iteration nutzen. Sie lassen viele Menschen mitwirken und gleichzeitig bleibt die Diskussion über die Struktur in kleiner Runde effizient.

3 | Detaillieren Sie nach Bedarf

In der Breite gilt für ein Domänenmodell: Es muss alle Geschäftsfähigkeiten abdecken, die für den Geschäftszweck benötigt werden. Die MECE-Regel (engl. mutually exclusive and collectively exhaustive) besagt: Die Domänen dürfen sich nicht überlappen und sollen zusammen erschöpfend sein. Das heißt, sie sollen die gesamte Fachlichkeit abdecken. Es ist allerdings nicht sinnvoll, die Detaillierungstiefe vorab fest vorzugeben.

Nicht alle Bereiche der Fachlichkeit stehen immer im Fokus. Detaillieren Sie diese Bereiche erst, wenn sie gebraucht werden und akzeptieren Sie unterschiedliche Detaillierungsebenen des Domänenmodells, um Blindleistung zu vermeiden. Auch allgemein gilt: Detaillieren Sie nur soweit, wie es für die aktuelle Phase notwendig ist. Ungenutzte tiefere Ebenen verstauben schnell.

4 | Schaffen Sie eine merkbare Struktur

Domänenmodelle sollen Komplexität reduzieren und strukturieren. Besonders in einem komplexen Umfeld fällt Reduktion am Anfang schwer. Schließlich soll das Domänenmodell der Fachlichkeit gerecht werden und soll „collectively exhaustive“ sein, also die ganze Fachlichkeit abdecken. Eine allzu komplexe Struktur ist schwer verständlich und stiftet keinen Mehrwert.

Reduzieren Sie die Elemente auf jeder Ebene auf ein erfassbares Maß. Das menschliche Gehirn ist besonders gut darin, sich bis zu sieben Dinge gleichzeitig zu merken. Als gute Faustregel gilt daher: fünf plus minus zwei Elemente pro Ebene. Starten Sie also mit maximal sieben Domänen auf oberster Ebene. Für jede Domäne gilt die gleiche Regel.

5 | Starten Sie mit maximal drei Ebenen

Theoretisch gibt es bei der Schachtelungstiefe keine Grenze. Es lässt sich auch schwer allgemeingültig festlegen, wann eine Geschäftsfähigkeit elementar, also nicht weiter sinnvoll teilbar ist. Die Einschätzung kommt sehr auf den Kontext und die Aufgabe an. So kann es sein, dass eine Geschäftsfähigkeit für ein strategisches Vorhaben schon ausreichend detailliert ist, wenn sie einer Business Unit zugeschrieben werden kann. Für eine Gap-Analyse zerfällt die Geschäftsfähigkeit in deutlich kleinere Teile.

Auch hier zeigt die Praxis: Weniger ist mehr! Wenn Sie sich bei der Modellierung auf oberster Ebene auf Ihr Vorhaben konzentrieren, dann reichen zwei Detaillierungsstufen darunter für strategische Entscheidungen aus. Das bedeutet: Ihr Domänenmodell hat drei Ebenen mit einer kurzen Beschreibung der Elemente auf unterster Ebene. Die zweite Ebene ist meist schon hinreichend detailliert, um dem Management Ergebnisse zu präsentieren. Die dritte Ebene reicht aus, um auf Arbeitsebene zu diskutieren. Prägnante Beschreibungen helfen Ihnen, Missverständnisse zu vermeiden.
 

Drei Ebenen reichen für die meisten Vorhaben aus.  Flankieren Sie das Modell mit einer Beschreibung der Geschäftsfähigkeiten. Je zwei bis drei Sätze genügen, um Missverständnissen vorzubeugen und die Ergebnisse nachhaltig zu sichern.

6 | Strukturieren Sie auf oberster Ebene nach Innovationsgeschwindigkeit

Für den Domänenschnitt gibt es viele Richtlinien. Viele Prinzipien lassen sich aus der Software-Architektur übertragen. Beispielsweise gilt die Regel „Starke Kopplung innerhalb, lose Kopplung nach außen“ auch für den Schnitt von Software-Komponenten und Domänen. Auf oberster Ebene im Domänenmodell sind die Domänen oft noch so groß, dass die Leitlinien sich nicht direkt übertragen lassen. Eine nützliche Methode ist die Unterscheidung nach unterschiedlichen Innovationsgeschwindigkeiten.


Teilen Sie Ihre Elemente auf Ebene zwei in drei Kategorien. Diese Struktur hilft Ihnen strategische Entscheidungen differenzierter zu betrachten:

  1. Domänen mit hoher Innovationsgeschwindigkeit, beispielsweise Domänen, die direkt den Endkunden betreffen.
  2. Domänen, die Ihrem Unternehmen bei der Differenzierung gegenüber Konkurrenten helfen: Hier modellieren Sie meist Ihr Kerngeschäft.
  3. Domänen, die Grundfunktionen für Ihr Geschäft bereitstellen und nicht besonders schnelllebig sind: Das sind häufig Supportfunktionen, beispielsweise Interne IT oder Vertragswesen.

 

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