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Studium? Arbeiten? Dual!

Von Carin Schreiner

6. August 2018

Mein Weg zum dualen Studium

Ich studiere seit fast einem Jahr angewandte Informatik dual bei MaibornWolff. Im April 2017, während meiner mündlichen Abiturprüfungen, entschied ich mich ganz spontan, doch nicht Physik zu studieren, sondern angewandte Informatik und das am liebsten dual. Noch am gleichen Tag habe ich mich an den PC gesetzt, mich informiert - zum Beispiel hier - und Bewerbungen geschickt. Ich war zwar spät dran, da die meisten Firmen mit der Auswahl über ein Jahr früher beginnen, aber dennoch habe ich gute Angebote gefunden. Zum Beispiel das von MaibornWolff.

Bei einem dualen Studium wird das Studium an einer Hochschule mit praktischer Arbeit in einem Unternehmen verknüpft. Nach Beendigung eines dualen Studiums hat man also nicht nur seinen international anerkannten Bachelor in der Tasche, sondern auch schon reichlich Arbeitserfahrung, Connections und Orientierung, wo man im Beruf noch hinmöchte. Es gibt im Wesentlichen vier Modelle:

  1. ausbildungsintegrierend: mit dem Studium bekommt man auch einen Ausbildungsabschluss
  2. praxisintegrierendes bzw. kooperatives duales Studium: ohne Ausbildungsabschluss, aber ansonsten wie ein Ausbildungsintegriertes Studium
  3. berufsintegrierendes Studium: man hat bereits einen festen Arbeitsplatz und die Wochenstunden werden verringert, um in den entstandenen Lücken zu studieren
  4. berufsbegleitendes / praxisbegleitendes Studium: zusätzlich zu Vollzeitarbeit studiert man im Abendstudium oder als Fernstudium.

 

Dabei gibt es verschiedene Modelle für die zeitliche Regelung, die von der Vereinbarung zwischen Hochschule und Unternehmen abhängt. Es gibt die Möglichkeit eines Wochen- oder Blockmodells. Bei einem Wochenmodell wird an bestimmten Tagen in der Woche studiert und an anderen Tagen gearbeitet. So wird zum Beispiel drei Tage (Montag, Mittwoch, Freitag) gearbeitet und zweieinhalb Tage (Dienstag, Donnerstag und Samstag früh) studiert. Bei einem Blockmodell geht man ein paar Monate studieren und dann wieder ein paar Tage arbeiten. Das Unternehmen selbst entscheidet, mit welcher Hochschule der Kooperationsvertrag geschlossen wird, sprich: Der duale Student oder die duale Studentin kann sich die Uni und das Zeitmodell nicht aussuchen.

MaibornWolff hat einen Kooperationsvertrag mit der Hochschule RheinMain in Wiesbaden. Das Besondere daran: Ich studiere nicht an einer Hochschule, die auf duale Studiengänge geeicht ist und nur dieses Modell anbietet, sondern an einer ganz normalen Hochschule, zusammen mit Studierenden ohne duales Modell. Dabei garantiert die Hochschule dem Unternehmen, dass eine Studentin oder ein Student einen Tag in der Woche keine Module an der Uni hat, sodass er oder sie an diesem Tag arbeiten gehen kann. Für mich bedeutet das: Während der vorlesungsfreien Zeit, arbeite ich dann ganz normal 40 Stunden pro Woche, kann mir Urlaub nehmen und werde für meine Prüfungstage freigestellt.

Arbeit im Projekt ergänzt Inhalt aus dem Studium

Ich bin tatsächlich überrascht, wie viele der Dinge, die ich in der Uni lerne, mir etwas bringen und wie gut sich beides ergänzt. Gut: Bis jetzt musste ich im Job noch kein lineares Gleichungssystem lösen, und es wollte auch noch niemand die genaue Entstehungsgeschichte mit exakten Daten vom ARPANET haben. Vieles gibt mir einfach Hintergrundwissen, eine Draufsicht und Orientierung. Aktuell muss ich nicht wissen, wie ich genau ich die Prüfsumme von einem Datenpaket errechne und wer das wann erfunden hat, aber es zeigt mir einen anderen Teilbereich der Informatik und vermittelt mir das Wissen, was da im kleinsten eigentlich passiert. Manche Sachen sind sogar wirklich nützlich: So lerne ich, wie ich die Effizienz meines Codes errechne; oder ich kenne jetzt verschiedene Suchalgorithmen und weiß, wie effizient sie sind. Außerdem beschäftige ich mich mit verschiedenen Programmiersprachen.

Das Unternehmen auf der anderen Seite gibt mir nicht nur die Spezialisierung, sondern zeigt mir, wie ich meinen Code ordentlich schreibe und wie ich in einem Team arbeite. Während meines Studiums sind mir dann drei Dinge aufgefallen:

Vertragliche Regelungen

Während ich mich über meinen Vertrag nicht beklagen kann, berichten mir andere von verschiedenen seltsamen Dingen. So müssen manche eine hohe Strafe zahlen, wenn sie ihr Studium nicht bestehen. Geläufiger ist die Lernklausel, die auch für mich gilt: Ich bin dazu verpflichtet zu lernen und wenn ich das nicht tue, verstoße ich gegen meinen Vertrag und mein Arbeitgeber kann mir kündigen. Das gibt dem Unternehmen die Möglichkeit, eine*n dual Studierenden, der sehr schlecht abschneidet oder viele Prüfungen nicht besteht, zu kündigen. Das kann auch notwendig werden, weil die Uni keine freien Tag pro Woche garantieren kann, wenn Studierende ein Fach wiederholen. Zudem verpflichten sich viele duale Studierende per Vertrag, nach dem Studium bei dem Unternehmen zu bleiben. Von einem Jahr hört man häufiger; aber es gibt tatsächlich Verträge, die das auf drei Jahre festschreiben.

Motivation

Ich lerne vielleicht nicht besser, aber definitiv motivierter. Man hat eine ganz andere Motivation, weil man ein Stück weit dafür bezahlt wird, dass man lernt. Bei uns an der Hochschule sind alle Dualen immer zusammen in den Praktiken und Übungen. Unsere Kurse sind bekannt dafür, einen besseren Durchschnitt zu haben und motivierter, aber auch an sich einfach gelassener zu sein. Außerdem habe ich im Unternehmen immer die Möglichkeit jemanden zu fragen, wenn mir irgendetwas nicht klar ist und bekomme so bei Bedarf eine extra Portion Unterstützung.

Nur einen Tag die Woche da sein

Das ist vielleicht doch nicht so toll, wie man anfänglich annimmt. Gerade dadurch, dass viele meiner Kollegen montags bis donnerstags selten im Büro sind, ist man recht alleine. Außerdem mindert das den Lernerfolg: Mit einem Tag pro Woche ist man nur drei oder vier Mal im Monat im Unternehmen und wenn man dann zurückblickt, auf das was man gemacht hat, ist es ein wenig ernüchternd.

Duales Studium - am besten gut überlegt

Zusammenfassend muss ich sagen, mir gefällt mein Ausbildungsweg und ich fühle mich so wohl. Zumindest momentan komme ich in der Uni sehr gut mit und habe keine Probleme. Wenn man nicht weiß, ob einem das Fach liegt, sollte man sich ein duales Studium definitiv zweimal überlegen, da es sich nicht so leicht abbrechen lässt wie ein Vollzeit-Studium. Es ist außerdem durchaus ratsam sich vorher genauestens den Vertrag durch zu lesen, sich früher zu bewerben, als ich es getan habe. Bei großen Firmen empfiehlt es sich, schon eineinhalb Jahre vorher anzufragen. Und letztlich lohnt es sich zu überlegen, ob man den Stress und den Druck, das eigene Studium zu bestehen aushält. Wer da optimistisch ist, dem oder der kann ich es nur wärmstens empfehlen.

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