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SpeedBebauung: Schnelle Orientierung im EA

Von Alexander Rudolf
15. April 2020

Alignment und schnelle Ergebnisse – ein Konflikt?

Die Komplexität der IT-Landschaften in Unternehmen nimmt spätestens seit den 90er-Jahren mit dem Aufkommen von service-orientierten Architekturen (SOA) exponentiell zu. Eine Disziplin, die hier helfen kann, Orientierung zu bewahren und Richtungsentscheidungen im Systemdschungel zu treffen, ist das Enterprise Architecture Management, kurz EAM. Allgemein bekannt sind die großen IT-Bebauungspläne in den Fluren der IT-Vorstandsbüros.

EAM hat dabei in den letzten Jahren vor allem in den großen Konzernen an Beliebtheit gewonnen – der Wunsch nach immer detaillierteren Übersichten wie nach Kosteneinsparungen durch rigoroses Business-IT-Alignment wuchsen gleichermaßen.

Im klassischen EAM führte die wachsende Komplexität der IT-Landschaften dazu, dass die den IT-Projekten vorgelagerten EA-Analysen bis zu 20 Prozent der eigentlichen Projektarbeitszeit einnahmen – Tendenz: steigend.

Diese recht langen Planungs- und Vorbereitungszeiten stehen im Widerspruch zur Beschleunigung des Marktes. Unsere Kunden spüren den Druck, schneller auf Änderungen am Markt reagieren zu müssen, und die Time-to-Market auch bei IT-Projekten zu beschleunigen.

Allerdings werden IT-Entscheidungen oft nicht mehr zentral getroffen: Vor allem Unternehmen, die sich in einer agilen Transformation befinden, suchen nach einer Lösung, um den Teams Freiraum zu gewähren, aber dennoch eine Übersicht und Standardisierung in IT-Themen zu bewahren.

Zur EA-Roadmap in drei Wochen

Herausgefordert durch das Spannungsfeld aus Geschwindigkeits- und Alignment-Bedürfnis hat MaibornWolff ein Konzept entwickelt, welches eine Balance zwischen diesen gegensätzlichen Anforderungen anstrebt. Das Ziel in den Worten von Stefan Bente et al.: „Just enough architecture“ (vgl. Bente et al., Collaborative Enterprise Architecture, 2012).

Das Ergebnis ist die MaibornWolff SpeedBebauung: In nur drei Wochen schaffen wir eine erste Orientierungshilfe! Nach erfolgreicher Durchführung haben unsere Kunden eine klare Roadmap. Je nach Flughöhe der Analyse kann diese in die Projekt-Portfolio-Empfehlung, in eine To-do-Liste oder in ein initiales Projekt-Backlog einfließen.

Abbildung 1: Überblick SpeedBebauung

 

Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Roadmap ist beispielsweise das Process Big Picture: Die Ziele dieses Artefakts sind:

  • Gemeinsames Verständnis bei allen Stakeholdern für den betrachteten fachlichen Umfang schaffen.
  • Es dient als Basis für die Ableitung von Geschäftsfunktionen oder Business Capabilities (welche wiederum für die Abbildung der Systemlandkarte dienen).
  • Bereits in der ersten Woche werden beteiligte Rollen, Geschäftsobjekte und Systeme identifiziert,
  • wie auch mögliche Handlungsbedarfe in den Geschäftsprozessen.

Abbildung 2: Process Big Picture

 

Ein weiteres Artefakt ist die Systemverortung in der Funktionslandkarte oder der Business Capability Map. Sie hilft dabei, Handlungsbedarfe wie die hier aufgeführten in der IT-Landschaft zu identifizieren:

  • Für welche Geschäftsfunktionen haben wir derzeit noch keine IT-Unterstützung?
  • Welche IT-Systeme erfüllen parallel die gleichen Funktionen? Können wir durch eine Konsolidierung Kosten einsparen?
  • Welche IT-Systeme befinden sich bereits am Ende ihres Product Lifecycle?
  • Welche IT-Systeme decken eine Vielzahl an Funktionen ab und sind ggf. schwer wartbar oder haben eine unklare Betriebsverantwortung?

Mit der Systemverortung können alle Stakeholder – von Entwicklerteams bis zum Management – die Antworten auf diese Fragen auf einen Blick erkennen.

Abbildung 3: Systemverortung (anonymisierte Darstellung)

 

Klar: Die SpeedBebauung ist nicht einfach eine klassische EA-Analyse in komprimierter Zeit. Detaillierte Handlungsbedarfsanalysen, etwa Make-or-buy-Analysen, Produktauswahlen, TCO-Analysen, oder die Modellierung der technologischen Blueprints benötigen ein anderes Vorgehen. Die Speedbebauung hilft dabei, genau diese Handlungsbedarfe in der Landschaft zu identifizieren, sie einzuordnen und zur Klärung aufzunehmen.

Der Vorteil gegenüber einer klassischen, ausführlichen „planning-up-front“-Analyse? Themen, die im frühen Stadium der Bebauung noch vollkommen unklar sind, können in einem späteren Bebauungssprint nachgeschärt werden. Somit bettet sich die SpeedBebauung sehr gut in ein agiles Projektumfeld ein.

Die SpeedBebauung kann hierbei in unterschiedlichen Situationen hilfreich sein, zum Beispiel

  • als Startpunkt zu Beginn einer Digitalisierungsinitiative (Enterprise Level), oder
  • als Orientierungspunkt in einem laufenden Projekt (Project Level).

Gemeinsam mit unseren Kunden entscheiden wir dabei, welche Ergebnisse wir erarbeiten.

Abbildung 4: SpeedBebauung im agilen Projektkontext

 

Damit das funktionieren kann, führen wir mit den wichtigsten Stakeholdern aus Fach- und IT-Bereichen jede Woche sogenannte Power-Workshops durch: Damit sind die Wissensträger sind immer an Bord!

SpeedBebauung: EA in schnell

Unseren Kunden brauchen für ihre Digitalisierungsvorhaben Orientierung! Wir beobachten zwei gegenläufige Tendenzen: Schnelligkeit und Agilität stehen dem Wunsch nach Überblick gegenüber. Klassisches EA als Disziplin zum "Überblick behalten" stößt in agilen Kontexten an Grenzen, da es oft zu viel Vorlauf braucht und gleichzeitig wenig Platz für Unschärfen oder Noch-Nicht-Entschiedenes lässt. Damit ist klassisches EA für sich agilisierende Organisationen kaum geeignet. Hier sucht die SpeedBebauung einen Kompromiss: Mit schnellen, iterierenden Ansätzen retten wir den Überblick aus der EA-Welt in die agile Sphäre – und schaffen so die Grundlage für Alignment bei hoher Team-Autonomie. Dazu gibt es mehr hier im Video meines Kollegen Matthias Ostermaier.

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