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Mob Testing in der Praxis

Von Benedikt Wörner
11. August 2017

In agilen Teams testen nicht nur Testexperten. Mit kollaborativen Testmethoden holen wir verschiedene Teilnehmer mit ins Boot. Dadurch entsteht die Möglichkeit, einen frischen Blick von Stakeholdern aus Fachabteilung oder Management zu nutzen – und das mit Spaß! Im Rahmen eines unserer Forschungs- und Entwicklungsthemen beschäftigen wir uns mit „kollaborativen Testmethoden“. Eine davon ist Mob Testing.

Die Methode Mob Testing leitet sich vom Mob Programming ab. Mob Programming wurde von Hunter Industries erfunden. Im Mob Testing gibt es verschiedene Rollen: Der Navigator sagt, was der Driver tut, alle anderen bilden den Mob, der bei Fragen aushilft. Die Rollen werden in vorher festgelegten Abständen rotiert, so dass jeder Teilnehmer mal Driver, Navigator oder Mob Mitglied ist.

 

Mob Testing funktioniert auch, wenn die Teilnehmer das zu testende Stück Software noch nicht kennen. Damit eignet es sich nicht nur als explorative Testmethode sondern auch zum Erarbeiten von neuen Funktionen im Team. Wir haben Mob Testing in beiden Kontexten verprobt:

Kontext 1: Mob Testing beim Wissensaustausch

Bei einem unserer Kunden ist es üblich, Release-Inhalte vor den Fachbereichstests aufzubereiten und den Kollegen aus dem Fachbereich vorzustellen. In diesem Termin gab es meist eine Folienschlacht, gefolgt von einer Livedemo am System. Da dies für uns Tester viel Vorbereitungsaufwand bedeutet und der Fachbereich oft genug gelangweilt in ein bis zwei Stunden Frontalvortrag saß, wollten wir dies für das nächste Release auflockern.

In einer Mob Testing Session sollten sich die Fachbereichskollegen die neuen Funktionalitäten selbst erarbeiten. Aus dem Projektteam waren Vertreter aus der Entwicklung sowie aus dem Test dabei, die weiteren Mob Teilnehmer kamen aus dem Fachbereich.

Gemeinsam gingen der jeweilige Driver und Navigator auf Entdeckungsreise und lernten das System kennen. Bei Fragen sprangen die restlichen Mob Mitglieder ein. In dieser Form wurden alle anwesenden Personen eingebunden und waren aktiv am Lernprozess beteiligt. Alle 6 Minuten wurden die Rollen durchgewechselt.

Im Anschluss an die erste Mob Testing Session haben wir eine Feedbackrunde mit dem Fachbereich gedreht. Auch wenn ich zunächst sehr skeptisch war, die Methode zu verproben, war das Feedback durchweg positiv. Die Kollegen beim Kunden haben ein neues Release mit viel Freude kennengelernt. Besonders positiv aufgefallen war, dass sich alle Beteiligten aktiv mit eingebracht haben und niemand „nebenher noch schnell mal E-Mails checken musste“. Von den Fachbereichskollegen kam zudem die Anregung, solch eine Session bereits im Entstehungsprozess durchzuführen und so die Diskussionen zwischen Fachbereich, Business Analysten, Entwicklern und Testern zu fördern.

Kontext 2: Mob Testing für die Qualitätssicherung

Im Rahmen eines anderen Kundenprojekts setzen wir Mob Testing zur Qualitätssicherung ein. Bisher war es so, dass die Features einer Mobile App durch einen Tester sowohl auf Android als auch auf iOS getestet wurden. Damit wurde der Tester schnell zum Experten für gewisse Features.

Das hat den Vorteil, dass es pro Feature immer einen definierten Ansprechpartner gibt. Der Nachteil: Sollte der Kollege krank oder im Urlaub sein, müssen sich andere erst mühsam und langwierig einarbeiten.

Um das zu umgehen, haben wir ebenfalls Mob Testing als kollaborative Testmethode eingesetzt. Einmal wöchentlich findet jetzt eine gemeinsame Session für gemischte Teams statt. Sie testen Funktionen in der Mob Session oft parallel auf Android und auf iOS. Dies ermöglicht uns das direkte aufzeigen unterschiedlicher Verhaltensweisen in den beiden Apps.

Unsere bisherigen Erfahrungen sind durchweg positiv. Jede beteiligte Person bringt einen eigenen Fokus und unterschiedliche Ideen und Vorerfahrungen mit. Unterschiede in den Plattformen und sonstige Fehler können so schnell identifiziert und auch diskutiert werden. Auch alte Hasen lernten noch viel Neues über die Systeme – zum Beispiel wie man einer App Berechtigungen entzieht oder auch wie sich Passwortfelder korrekt pro System verhalten sollten.

Auch das konkrete Feedback der Teilnehmer ist sehr gut: Ein Product Owner fragte nach einer Mob Session, ob wir in der kommenden Woche sein Feature testen könnten. Ebenso toll war die Rückmeldung aus dem Entwicklungsteam, dass eine Session unbedingt vorziehen wollte, damit sie nicht wegen Urlaub ausfällt.

Rückblickend hat sich für uns gezeigt, es war der richtige Weg auf kollaborative Testmethoden zu setzen. Sowohl die Kollegen aus den Fachbereichen, wie auch alle weiteren Projektbeteiligten hatten Spaß an der Methode und konnten sich aktiv mit einbringen. Zudem haben wir beobachtet, dass der Austausch rollenübergreifend über den gesamten Softwareentwicklungszyklus hinweg gefördert wird.

Unser Tipp daher: Haben Sie Mut und setzen Sie kollaborative Testmethoden zusätzlich zu etablierten Testmethoden ein. Bringen Sie alle Projektbeteiligten an einen Tisch und fördern Sie den Austausch. Jeder Beteiligte bringt eigene Erfahrungen und Ideen mit und ist eine Bereicherung fürs Testing.

Statt Mob Testing können Sie auch eine BugBash durchführen oder auch im Bereich Test auf Pairing zu setzen.  

Seien Sie mutig und haben Sie Spaß dabei – Happy Testing!

 


Der Beitrag ist in Zusammenarbeit mit Elisabeth Dill, Katharina Warak und Florian Pilz entstanden.

Weitere Blogs über Werkzeuge aus unserem Methodenkoffer gibt es hier

 

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