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Agil und User-centered – Warum es nicht reicht, die schöne neue Welt zu verkünden

Von Nicolas Olberg @NicBehle auf Twitter
9. April 2019

Agilität und Nutzerorientierung sollen heute zum schnellen Erfolg jedes Projekts beitragen. Doch dann bleibt es bei guten Vorsätzen: Organisation und Mindset verändern sich durch die Proklamation nicht grundlegend. Die Folge: Projektteams laufen weiter gegen die gleiche Wand. Statt schnell und agil ein MVP umzusetzen, kämpfen sie gegen Trägheit in Köpfen und Prozessen.

Anfang 2018 starteten wir bei MaibornWolff den Gegenversuch. Wir beobachten als Projekt- und Entwicklungspartner unserer Kunden immer wieder, was Projekte ausbremst oder teils zum Stopp bringt. Diese Erfahrungen kondensierten wir als Antipatterns in ein Modellvorgehen, in dem wir diese Risiken minimieren können. Unser Ziel war, ein Vorhaben maximal schnell erfolgreich in einem Minimum Viable Product zu realisieren.

So entstand die Teambox: ein Monat Vorphase, drei Monate Entwicklung, zwei Monate Übergabe an Ops. Dafür müssen der Kunde und wir verstehen, was er oder sie erreichen möchte. Gemeinsam konkretisieren wir seine Idee vorab in einem zweitägigen Workshop: Der Kunde pitcht sein Vorhaben und gemeinsam entscheiden wir, ob es für die Umsetzung im Teambox-Rahmen geeignet ist. Erst wenn das Projekt dieses Reifegrad-Tor passiert hat, legen wir los.

Aller guten Dinge sind bekanntlich Drei und so überzeugte uns der dritte Pitch eines potenziellen Kunden im Mai 2018. Ein Monat später startete die erste Teambox.

Heute blicken wir auf ein sehr erfolgreiches Projekt, ein begeisterndes Produkt und einen sehr glücklichen Kunden zurück. Das Ende fiel beiden Seiten nach den Monaten intensiver Zusammenarbeit schwer.

Ich mache insbesondere zwei Aspekte für diese Begeisterung verantwortlich:

Konsequent agil

  • Das komplette Team sitzt mit dem Kunden auf einer gemeinsamen Arbeitsfläche, so oft es geht. An mindestens drei von fünf Tagen ist der Product Owner vor Ort verfügbar. Wir leben konsequente Nähe. Das resultiert in nur wenigen Regelterminen, denn es besteht dauerhafte Ansprechbarkeit jeder Domäne: UX, Frontend, Backend, Test. Wir wachsen automatisch als Team zusammen und entwickeln eine hohe Produktidentifikation und -verantwortung. Der wichtigste Nebeneffekt: Wir alle lernen domänenübergreifend voneinander – inklusive Team-Mitgliedern und Stakeholdern auf Kundenseite.
  • Wir verfolgen einen konsequenten Entwicklungszyklus. Es gibt keine Verschiebungen von wichtigen Terminen. Wir definieren klare Sprintziele und erleben effektive Sprintwechsel. Selbstverständlich können wir keine Garantie für das Erreichen der Ziele geben, jedoch merken wir frühzeitig, wenn einzelne Stories mehr Zeit benötigen oder ungeahnte technische Schwierigkeiten auftauchen. Die Nähe des Teams macht es möglich, sofort zu reagieren und auch neu zu priorisieren.
  • Es gibt einen klar benannten Product Owner, sowie einen Stellvertreter. Die beiden verantworten die Kommunikation mit beteiligten Fachbereichen. Unser User Experience Team unterstützt sie dabei. Fachliche Entscheidungen und Prioritäten sind keine Hürden, sondern können jederzeit berücksichtigt werden.

Konsequentes User Experience Design

  • Wir binden potenzielle Nutzer von Anfang an konsequent ein. Ohne Nutzer kein Projekt. Das ermöglicht uns, Entwürfe und Zwischenstände der Applikation regelmäßig zu testen. Das klare Ziel der fünf Monate Teambox: Befähigung mindestens eines Pilotnutzers.
  • Wir schaffen einen konsequenten fachlichen Vorsprung. Das beginnt mit dem Pitch des Vorhabens durch den Kunden. Schon hier können wir verstehen und hinterfragen und verabschieden eine klare Vision und Scope des Projekts. Eine vierwöchige Vorphase vor Entwicklungsstart ist der zweite Schritt, um die Fachlichkeit tiefer zu legen und einen Design-Rahmen zu schaffen.
  • Während der Entwicklung arbeiten wir uns konsequent vom Big Picture zum detaillierten Product Backlog vor. Kontinuierlich priorisieren und evaluieren wir die fachlichen Anforderungen gemeinsam mit Usern und Product Owner.

Das alles mag in Summe betrachtet nichts Bahnbrechendes sein, jedoch habe ich noch kein Projekt erlebt, dass die beschriebenen Einzelaspekte genau so konsequent leben konnte. So ist es aus meiner Sicht genau diese Verbindlichkeit aller Beteiligten zum Teambox-Ansatz, die entscheidend zur erfolgreichen Realisierung digitaler Vorhaben beiträgt.

 


 

Mehr zur Teambox gibt es im Interview mit Daniel, dem Chef-Architekt des Projekts. Hier gehts zur Lektüre.

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